Samstag, 24. März 2018

Exkurs: Wikipedia: The Text Adventure

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Wikipedia: The Text Adventure"?
Genre: Exploration und Enzyklopädie
Technische Grundlage: Browser-Textadventure
Urheber: Kevan Davis
Sprache: Englisch
Jahr: 2017
Spiel im Browser: Wikipedia: The Text Adventure


Eine der schönsten Städte dieser Welt.

Spielwelt
Im Aprilscherz des vergangenen Jahres stellte ich die uns umgebende Welt als 1st-person-Adventure dar. Zu jener Zeit widmete sich Kevan Davis einem Projekt mit vergleichbarer Zielsetzung, welches er im Juni 2017 der Öffentlichkeit präsentierte. Seither lassen sich nämlich selbst die entlegensten Orte unserer Erde mit Parser-Unterstützung bereisen - ganz bequem vom heimischen Computer aus. Was sich vielmehr jedoch als "interaktive Enzyklopädie" verstehen lässt, basiert schlichtweg auf den wissenschaftlich geprüften Artikeln der englischsprachigen Wikipedia.


Llanfairpwllgw... ihr wisst schon!

Gameplay
Dass "Wikipedia: The Text Adventure" von den einstmals populären Infocom-Adventures inspiriert wurde, ist bereits anhand des Titelbildschirms deutlich erkennbar. Als waschechtes Adventure entpuppt sich die im Browser spielbare Anwendung aber mitnichten, sodass wir lediglich die weitläufigen Dimensionen jener interaktiven Enzyklopädie erforschen, uns dabei in nostalgischen Gefühlen suhlen und zugleich unseren Wissensdurst stillen können. Das dargebotene Vokabular bleibt somit auf wesentliche Begriffe beschränkt, wobei ein Perspektivenwechsel etwa mit Befehlen wie "go west" oder "go north" einzuleiten ist. Verfügbare Himmelsrichtungen, welche jeweils den offiziellen Wikipedia-Koordinaten entsprechen, werden stets unterhalb der Szenenbeschreibung eingeblendet. Wer hingegen möglichst weit in die Ferne schweifen möchte, muss bloß das gewünschte Land, die Stadt oder das Dorf benennen (go Mainz). Größenwahnsinnige Touristen dürfen die besuchten Orte zudem ihrer kulturellen Vielfalt berauben, denn unser grundsätzlich unnötiges Inventar erweist sich rasch als unbegrenzt aufnahmefähig (take stonehenge: "You take Stonehenge."). Die zumeist ungewöhnliche Beute wird bis zum Ende einer Spielsession im Gepäck aufbewahrt, das sich durch die Eingabe von "i" oder "inventory" durchstöbern lässt.


Falls der Vesuv erneut ausbrechen sollte, befinden wir uns zumindest außer Reichweite.

Grafik
Um die Szenenbilder zu illustrieren, greift das Programm auf Fotografien (teils auch Karten, Luftaufnahmen u.a.) aus der Wikipedia zurück und verwandelt diese in äußerst abstrakte, detailarme Pixelgrafiken, welche der Infocom-Ära durchaus Tribut zollen. Wer stattdessen den unverfremdeten Originalschauplatz besichtigen möchte, kann den Effekt jederzeit mit dem Verb "focus" aufheben.


Auf den Spuren von Zak McKracken.

Fazit
In Gestalt jenes archaisch anmutenden Live-Textadventures bereitet Wikipedia definitiv mehr Freude denn je. Wer also klassische Textadventures verehrt oder ein ausgeprägtes Interesse an Zeitreisen hegt, sollte sich unbedingt eine Weile mit besagtem Browser-Spiel befassen.

Samstag, 24. Februar 2018

C64-Klassiker: Logan

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Logan - Part 1: Beginn einer Odyssee"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Heroes & Cowards, Stümp
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Byteriders
Sprache: Deutsch
Jahr: 1990
Informationen: C64-Wiki

Ein Spieler steht im Walde, ganz still und stumm.

Story und Schauplatz
Unverhofft findet sich Zeitagent Logan im Wilden Westen wieder - nichtsahnend, welche Mission es dort zu erfüllen gilt. Eigentlich hätte unser Held zuvor instruiert werden müssen, wäre sein Vorgesetzter nicht so nachlässig gewesen. Als Assistent wurde unserem Titelhelden zu allem Überfluss der unliebsame Taugenichts Roger zur Seite gestellt, der mitnichten zur Verbesserung jener ausweglosen Situation beiträgt. So machen uns die Produzenten sogleich darauf aufmerksam, dass eine Hintergrundgeschichte nicht einmal im Ansatz vorhanden ist. Frei nach dem Motto "Komm, hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer!" durchwandern wir also die mit Klischees und popkulturellen Anekdoten angereichterte Welt, welche offensichtlich bloß zur Bespaßung des Spielers fungiert. Darüber hinaus endet diese kleine Episode mit einem ähnlich uninspirierten Cliffhanger, der auf eine (glücklicherweise) niemals erschienene Fortsetzung verweist.


Drogenabhängige Mexikaner heißen uns im Stall willkommen.


Puzzles und Gameplay
"Logan" wartet zumindest mit einem intelligenten Parser auf. Deutsche Artikel können in Befehle eingebunden und ebenso ignoriert werden. Himmelsrichtungen sind auf traditionelle Weise abzukürzen, indem wir N, O, S, W oder etwa auch NW eintippen. Technisch bereitet uns das Adventure somit kaum Probleme. Allzu kreative Rätsel bleiben allerdings aus. Stattdessen verleiten uns die Entwickler gelegentlich zu unethischem Handeln. Um beispielsweise einen gemeingefährlichen Hund zu bestechen, muss zuvor ein wehrloses Schaf getötet werden.


Am Mann des Gesetzes führt kein Weg vorbei.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Sofern man - wie ich - klassische Brotkastenklänge verehrt, wird man auch an der Musikuntermalung des vorliegenden Byteriders-Titels Gefallen finden. Wenngleich die schrille Farbgebung der Szenenbilder beinahe schon ihren Reiz entfaltet, lassen sich die grauenhaften Zeichnungen jedoch wahrlich nicht leugnen.


Auch der Kontakt mit Häftlingen bleibt uns nicht erspart.

Fazit
Ich fasse mich kurz: Obgleich bereits das Textadventure-Debüt der Byteriders den eigensinnigen Humor ihrer späteren Spiele ankündigt, kann dieses dröge wie unausgegorene Machwerk getrost übersprungen werden.

Samstag, 6. Januar 2018

Kommerziell: Shiver

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Shiver"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Decay - The Mare, Eleusis
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Kowai Sugoi Studios
Sprache: Englisch
Jahr: 2017
Download: Steam --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!

Diese Nachricht erreicht uns wohl etwas zu spät.

Adventure-Treff-Test: Shiver
Wer hier einen Rückblick auf den unvergessenen Horrorklassiker aus dem Hause Sierra erwartet, hat dem Adventure der Kowai Sugoi Studios wohl unterbewusst ein zusätzliches „s“ angedichtet. Tatsächlich ist Shiver nämlich ein um Halloween 2017 veröffentlichtes Low-Budget-Produkt und damit noch äußerst taufrisch – wenngleich die schneeweißen Landschaften im Spiel doch andere Eindrücke hinterlassen dürften. Hinter Shiver verbirgt sich allerdings kaum ein interaktives Weihnachtsmärchen für die gesamte Familie, sondern vielmehr ein schauriges Abenteuer in abgeschiedener Einsamkeit. Darüber hinaus versteht es sich als spiritueller Nachfolger des ebenso winterlich anmutenden Freeware-Titels Cozy. Ob uns das vorliegende Werk letzten Endes das Gruseln oder lediglich das Frösteln lehren konnte, verraten wir euch nun in unserem Test. ...Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 9. Dezember 2017

Kommerziell: Shadows by the Waterhouse

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Shadows by the Waterhouse"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Intra Muros, Past - Das Abenteuer Zeit
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Tonband Stories
Sprache: Deutsch, Englisch
Jahr: 2017
Download: itch.io --- Website

Wo Spaziergänger zu Schnüfflern werden: Das alte Wehrgebäude am Fluss.

Story und Schauplatz
Nahe der alten Flusswehr stößt ein verwunderter Spaziergänger auf ein herrenloses Mobiltelefon, aus dessen Display ihm die grimmige Visage eines furchteinflößenden Clowns entgegenstarrt. Offensichtlich wurde besagte Fotografie in jener Schrecksekunde ausgelöst, bevor das Handy den Fingern seines Besitzers entglitt und zu Boden fiel. So beginnt unser Protagonist, kriminelle Machenschaften in unmittelbarer Umgebung zu wittern und passt seine Freizeitpläne kurzerhand dem jüngsten Ereignis an. Wo er zunächst mit allen Sinnen der malerischen Idylle zu frönen gedachte, fühlt er sich nun zum großen, gefahrvollen Abenteuer hingezogen. Auf dem leicht abseits gelegenen Friedhof begegnet der wackere Hobbydetektiv bald darauf der Witwe eines renommierten Gehirnchirurgs, welche ihm auf die richtige Spur verhilft. Zudem dringen mitunter die feindseligen Stimmen zwielichtiger Personen aus dem verwaisten Wehrgebäude nach außen. Allmählich verdichten sich die Indizien zu einer groben Vermutung: Wird das einstige Wasserhaus inzwischen zur Ausübung illegaler Experimente zweckentfremdet? Bei anbrechender Dämmerung beschließt unser Alter Ego, den vermeintlichen Geheimbund zu infiltrieren und den Ganoven ins Handwerk zu pfuschen.


Können wir der Witwe des Gehirnchirurgs brisante Informationen entlocken?

Puzzles und Gameplay
Da auch "Shadows by the Waterhouse" auf der Adventure Maker-Engine basiert, verbirgt sich das Inventar traditionell am oberen Ende des Monitors und Untertitel werden - in deutscher sowie englischer Sprache - unten eingeblendet. Perspektiven- und Bildschirmwechsel werden hingegen mit einem Klick auf die Zeiger eines Kompasses ermöglicht, sodass wir stets in bis zu vier Himmelsrichtungen ausschweifen dürfen. Leider stiftet die Navigation mitunter Verwirrung, wie sich zumindest bei Überquerung der Flussbrücke bemerkbar macht. Wer sich jedoch einem Bonus-Puzzle widmet und die losen Holzplanken an einer Waldhütte nahe unseres Startpunkts korrekt anordnet, darf sich schließlich an einer erfolgreich rekonstruierten Geländeskizze orientieren - ein äußerst nutzerfreundlicher Service, der uns generell beim Aufstöbern relevanter Hinweise und brauchbarer Items behilflich ist. Ein Lupensymbol fordert meist dazu auf, das jeweilige Szenenbild nach versteckten Gegenständen zu durchforsten. Frustrierendes Pixelhunting wird daher überwiegend vermieden. Wenngleich konventionelle Inventar- und Kombinationsrätsel sowie Multiple Choice-Dialoge mit Nebencharakteren dominieren, müssen wir woanders etwa einen holografischen Türcode knacken oder eine komplexe Losung recherchieren. Knifflige Aufgaben sind somit zu erwarten.


Sobald das Bonus-Puzzle an der Waldhütte bewältigt wurde, können wir uns anhand dieser Skizze orientieren.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Die Kulisse einer einsamen Flusslandschaft basiert auf realen Fotografien, welche jedoch bis nahezu ins Unkenntliche verzerrt wurden. Verwaschene Motive, kontrastarme Texturen sowie eine konsequente Verpixelung berauben den Schauplatz des Geschehens seiner natürlichen Schönheit und tragen außerdem zu einer leicht unheimlichen Atmosphäre bei - noch unterstrichen durch eine monotone Sepia-Farbgebung, die zu später Stunde einer ins Bläuliche neigenden Abendszenerie weicht. Ebenso kommen Momentaufnahmen von Personen zum Einsatz, wobei die Akteure in der Nahansicht entsprechend regungslos posieren. Die künstlerische Ästhetik von "Shadows by the Waterhouse" dürfte auch Nostalgiker begeistern, so scheint die Spieloptik doch gänzlich aus der Zeit gefallen und vermag an die gute alte Amiga-Ära zu erinnern. Dasselbe gilt für das musikalische Hintergrundthema, das mit zahlreichen Variationen und teils sonderbaren wie fremdartigen Klängen keinen Wiedererkennungswert vermissen lässt. Retro-Freunde werden diesen ambitionierten Soundtrack rasch liebgewinnen. Bei einer Spieleschmiede namens Tonband Stories dürfen vortrefflich inszenierte Hörspiel-Elemente erwartungsgemäß nicht ausbleiben. Dialoge oder belauschte Konflikte wurden also stets auf hohem Niveau vertont und der jeweiligen Situation auf diese Weise Leben eingehaucht. Während die Vorgänger aus dem Hause Tonband Stories noch an einer etwas ungünstigen Lautstärkeregelung krankten, ist nun auch für ein besseres Verständnis jener Sprechpassagen gesorgt.


Unsere Mission drängt auf Vollendung - trotz anbrechender Dämmerung.

Fazit
Jener im kleinen Rahmen geschilderten Geschichte mangelt es keineswegs an Spannung, Atmosphäre oder Charme. Obgleich er sich bei seinem jüngsten Werk neuer Stilmittel bediente und in besonderem Maße den Nostalgiefaktor zu erfüllen gedachte, trägt auch "Shadows by the Waterhouse" die unverkennbare Handschrift eines Raphael Vogt. So dürfen wir abermals eine ungeahnte Verschwörung aufdecken und werden überdies zum Nachdenken angeregt. Der vorliegende Titel repräsentiert Zeitgeist sowie eine gesunde Fortschrittsskepsis und wagt sich damit in Bereiche vor, die im Adventuregenre doch eher selten eine Rolle spielen. Umso mehr freue ich mich, dass der Grundstein für eine Fortsetzung bereits durch eine erfolgreich abgeschlossene Kickstarter-Kampagne gelegt wurde.

Samstag, 18. November 2017

Kommerziell: A.D. 2044

Allgemeine Grundlagen: Was ist "A.D. 2044"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Dogday, Normality
Technische Grundlage: 3D-Umgebung auf Slideshow-Basis (Transitionseffekte)
Urheber: L.K. Avalon
Sprache: Englisch, Polnisch
Jahr: 1996
Download: GOG

In einer Welt ohne Männer muss die Natur schlichtweg umdenken.

Story und Schauplatz
Über viele Dekaden hinweg breitete sich eine unberechenbare Seuche auf unserem Planeten aus. Gewiss leugneten gestandene Männer mitunter die drohende Gefahr, andere sahen schon früh ihren Einfluss schwinden. Die Rede ist vom Feminismus - jenem Kampf um die sogenannte weibliche Empanzipation, nicht zu Unrecht häufig als Versuch einer Machtergreifung durch das schwache Geschlecht verstanden. In diesem visionären Abenteuer erfahren wir nämlich, dass die moderne Frau sogar einen nuklearen Krieg bestreiten würde, um ihre anatomisch ungleichen Ebenbilder endgültig aus dem ehrwürdigen Paradies zu vertreiben. Obwohl der Mann anno 2044 bereits als aussterbende Spezies gilt, ist dem herrschsüchtigen Weibsvolk durchaus eine blühende Zukunft vergönnt. Jüngste Errungenschaften der Gentechnik ließen den Mann entbehrlich werden, sodass die künstliche Reproduktion fortan die natürliche Fortpflanzung zu ersetzen vermag. So plagt sich die Dame jener Zeit nicht länger mit albernen Lüsternheiten, sondern besinnt sich vielmehr auf die Treue zum eigenen Geschlecht. Als letzter auf Erden verbliebener Mann obliegt es schließlich unserem Protagonisten, sich aus der Gewalt seiner Herrinnen zu befreien und das Schicksal der menschlichen Rasse neu zu besiegeln. Helfen wir ihm also dabei, das aufständische Wesen der Frau einzudämmen und unsere einst so maskuline Welt abermals mit heroischen Jünglingen zu bevölkern!


Weibliche Wachroboter lassen sich mitunter durch spontane Küsse erweichen.

Puzzles und Gameplay
Die Steuerung könnte den jüngeren Adventures der Spieleschmiede Legend Entertainment nachempfunden sein. Zwar wurde auf den Kompass und die antiquierte Verbauswahl verzichtet, doch weckt das charakteristische Interface-Design durchaus Erinnerungen an jene schönen alten Tage - ein Gefühl, das im Falle von "A.D. 2044" rasch verflogen sein dürfte. Ein grafisches Inventar ziert den unteren Bereich des Monitors und wartet mit unzähligen frei verfügbaren Ablageplätzen auf. Dieser Service entspricht etwa den Vorzügen und Nachteilen einer Damenhandtasche: Kosmetika, der Schlüsselbund oder die Brieftasche können in unterschiedlichen Seitenfächern verstaut werden, aber letztlich schmeißt man in all der Hektik bloß alles zusammen und erschwert sich damit im Endeffekt die Wiederauffindbarkeit ausgewählter Besitztümer. Nicht anders verhält es sich auch mit den über- und untereinander angeordneten Reihen unserer Gepäckablage, die uns wahrhaftig keinen guten Überblick verschaffen. Fundstücke lassen sich in einer praktischen 3D-Ansicht näher begutachten, was häufig zur Kombination zweier Items erforderlich ist. Hieraus ergeben sich leider in erster Linie weitere Umständlichkeiten. Eine Zigarette lässt sich nur anzünden, indem man das Streichholz in die rechts abgebildete Hand des Protagonisten legt und schließlich auf die Nahansicht des Glimmstängels anwendet. Eine noch größere Herausforderung stellt hingegen das Aufstöbern mancher Gegenstände dar, die sich in den entlegensten Ecken eines Zimmers verbergen und uns somit regelmäßige Frustmomente bescheren. Allgemein folgt das Rätseldesign einer mitunter zweifelhaften Logik, teilweise beruht es auf abstrusen Klischees. Vorab sei erwähnt, dass niemals reale Frauen unseren Weg kreuzen. Diese werden nämlich durch dominante Androiden von weiblicher Statur vertreten, welche angeblich geschlechtstypische Schwächen aufweisen. So appellieren wir also an die niederen Instinkte und Bedürfnisse ihrer Art, wenn wir diesen Wachrobotern etwa ein sanftes Küsschen aufdrücken oder sie mit Nagetieren auf Abstand halten.


Immerhin muten die Strahlenschutzanzüge noch männlich an.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Wenngleich mich die Optik des Spiels nur bedingt beeindrucken konnte, entfaltet die dargebotene Welt ihren Reiz. Dieser ist wohl vorwiegend in der hübschen Architektur begründet, welche futuristische mit klassischen Impressionen verbindet. Die meist prunkvoll anmutenden Räume und Flure werden oft von majestätischen Säulen getragen und von historischen Gemälden sowie Skulpturen aus scheinbar weiterhin unvergessenen Epochen der Menschheitsgeschichte geziert. Sobald aber eine jener Blechgestalten von unrühmlich pseudo-femininer Bauart in die Szene tritt, wird uns der hohe Trashgehalt des Spiels unweigerlich bewusst. Ironischerweise sind die mechanischen Geschöpfe in äußerst knappe, aufreizende Uniformen gehüllt, hinter denen sich große Brüste und unnatürliche Proportionen abzeichnen. Manchmal wird ihr glatzköpfiges Haupt zudem von einer Polizeimütze bedeckt, doch niemals lässt sich in diesen Roboterdamen wirklich etwas Menschliches erkennen. Überwiegend ähnelt "A.D. 2044" dem konventionellen Slideshow-Adventure, wobei sich die Autoren durch sogenannte Transitionseffekte einer moderneren 3D-Umgebung annäherten. Bei jedem Perspektivenwechsel dürfen wir also nachverfolgen, wohin die Blicke des Hauptcharakters schweifen, während er sich bewegt oder den Raum inspiziert. Eine allzu finstere Endzeitstimmung vermag auch die musikalische Untermalung der Spielabschnitte nicht zu erzielen, die trotz ihrer utopisch-fremdartigen Klänge stets an einer schnöden Eintönigkeit und wachsender Belanglosigkeit krankt.


Selbst nach einer atomaren Katastrophe streben Frauen noch nach Luxus.

A.D. 2044: Seksmisja
Kleine Hintergrundinformation: Das hier besprochene Machwerk basiert auf dem 1991 erschienenen Atari-Adventure A.D. 2044: Seksmisja, welches wiederum durch einen polnischen Science Fiction-Film (Seksmisja) inspiriert wurde. Beide Vorbilder sind mir bislang unbekannt, weshalb ich dazu nur bloße Fakten liefern kann.


Tja, damals behielt der stolze Ehemann noch die Fäden in der Hand.

Fazit
Begeisterung ist ja bekanntlich schnell entfacht, sofern der Spieler (und somit das potentielle Opfer) ein ausgeprägtes Faible für Ego-Adventures der späten 90er Jahre hegt. Beim vorliegenden Titel dürfte jedoch sämtliche Euphorie in Rekordzeit verklungen sein. "A.D. 2044" repräsentiert ein möchtegern-komisches Science Fiction-Abenteuer, gepaart mit Pixelhunting der dreistesten Sorte und unverhohlenem Sexismus. Während man etwa bei Mystic House noch über die putzige Machart schmunzeln konnte, wäre dieser unsägliche wie bedeutungslose Trash-Beitrag aus dem Hause L.K. Avalon besser schon vor der Jahrtausendwende in ewiger Vergessenheit versunken.

Samstag, 28. Oktober 2017

Kommerziell: Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Mission Supernova, Andromedas Erbe
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: x86-Games
Sprache: Deutsch, Englisch
Jahr: 2017
Download: Steam --- itch.io --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!

Kuwelplops und Sloms – sind sie nicht… äh… niedlich?

Adventure-Treff-Test: Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung

Mitte der 90er Jahre entstanden im nordrhein-westfälischen Siegen zwei minder erfolgreiche 1st-Person-Adventures, die dem damals beliebten Shareware-Prinzip gemäß Verbreitung fanden. Mission Supernova ließ den Spieler in die Rolle des Küchenchefs Horst Hummel schlüpfen, der nach einer Notevakuierung an Bord seines Raumschiffs vergessen wurde und fortan mutterseelenallein das Universum durchstreifen musste. Aus der Perspektive des außerirdischen Privatdetektivs Peter Platon galt es in Andromedas Erbe hingegen, einen Kriminalfall von intergalaktischer Brisanz aufzuklären. Urheber dieser Shareware-Produktionen sind Thomas und Steffen Dingel, welche den jeweils zweiten Teil ihrer Weltraumabenteuer nur gegen eine kostenpflichtige Registrierung preisgaben. Nach der Jahrhundertwende stellten die beiden Siegener, die mittlerweile anderen Hobbys frönten, ihre Werke als Freeware zur Verfügung. Die humorvollen, packenden und atmosphärischen Grafikadventures aus dem Hause Dingel konnten sich vor zwei Dekaden zwar nicht so recht behaupten, in diesen Tagen ist ihnen aber umso mehr Anerkennung vergönnt. Niemand jedoch war seither bestrebt, den charmanten Stil besagter Titel zu imitieren – bis 2016 eine ganz und gar unverhoffte Kickstarter-Aktion ins Leben gerufen wurde. Marcel René Klapschus, Autor diverser Zukunftsromane, liebäugelte mit einem eigenen Retro-Adventure nach Machart von Andromedas Erbe. Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung erhielt die gewünschte Finanzierung und kann nun seit kurzem, sogar zweisprachig, bei itch.io oder Steam erworben werden. Wir haben uns das schräge Science-Fiction-Abenteuer mit dem nostalgischen Flair angesehen und unser Urteil gefällt. ...Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 7. Oktober 2017

Kommerziell: Jazzpunk: Flavour Nexus (DLC)

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Jazzpunk: Flavour Nexus"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Jazzpunk, Normality
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Necrophone Games
Sprache: Englisch
Jahr: 2017
Download: Steam --- Website

Das Flavour Nexus: Tolle Atmosphäre...

Story und Schauplatz
Seit dem vergangenen Abenteuer ist uns bekannt, dass Geheimagent Polyblank keine noch so brisanten Aufgaben scheut. Somit lässt er sich nun kurzerhand zum Einkaufsparadies Flavour Nexus beordern, um dort den neuen Anweisungen seines Vorgesetzten zu lauschen: Er muss eine Dose mit feinstem Riechsalz beschaffen. Hierzu sollte der begnadete Ermittler aber zum entsprechenden Warenregal vordringen und dabei dem herrlichen Glanz sämtlicher konsumierbarer Objekte widerstehen können. Werden die kapitalistischen Machenschaften im Kern der Flavour Nexus-Filiale Polyblanks Verstand benebeln und die Vollendung seiner Mission verhindern? Ein schwieriges Unterfangen erwartet den geübten Adventure-Spieler mitnichten, doch eines scheint sicher: Nach dieser selten skurrilen Mini-Episode aus dem Jazzpunk-Universum werden wir Supermärkte fortan mit anderen Augen betrachten. Bei "Jazzpunk: Flavour Nexus" handelt es sich um den ersten DLC zum durchgeknallten Adventure, der als Bonus-Feature zum Director's Cut erschienen ist und grundsätzlich nicht ohne das "Hauptspiel" erworben werden sollte.

... rücksichtsvolle Kunden...

Puzzles und Gameplay
Es mutet zunächst wie ein schlechter Scherz an, dass die neue Zusatz-Mission nach insgesamt zwei Aktionen und einer abschließenden Arcarde-Sequenz überstanden ist. Der Reiz dieses Spiels, das sich besser wohl als "Spielerei" bezeichnen ließe, offenbart sich jedoch in all den schrägen Überraschungen, die uns beim gemütlichen Tändeln durch die Warenhalle begegnen. In jedem einzelnen Regalabschnitt lädt eines der jeweils identischen Produkte zum Anfassen ein, was daraufhin stets in Albernheiten ausartet. So reißt Polyblank die Verpackungen auf, ergötzt sich schnell mal an den Köstlichkeiten und beschert den Reinigungskräften zusätzliche Arbeit. Im Flavour Nexus dürfen wir nach Belieben Einkaufswagen umschmeißen und Salatköpfe durch Basketballkörbe bugsieren. Wer die im DLC dargebotenen Möglichkeiten optimal ausschöpft, wird am Ende ein beachtliches Chaos hinterlassen und sich besonders häufig vor Lachen gekrümmt haben. Ob Fleischtheke oder Tiefkühlregal: Stupide, aber liebenswürdig inszenierte Gags lauern in allen Ecken des realitätsfernen Supermarkts. Auch der ähnlich weitläufige Parkplatz sollte mit wachsamem Auge erkundet werden. Optionale Konversationen mit absonderlichen Nebencharakteren sowie simple Side Quests oder Minispiele bereichern das Gameplay und lenken uns geschickt vom eigentlichen Auftrag ab. Lediglich ein finaler Endkampf trübt das Spielerlebnis ein wenig. Dieser kann zwar nur gewonnen werden, erweist sich allerdings rasch als lästiges Übel, das nicht zuletzt an miserabler Handhabung krankt.

... ungewöhnliche Begegnungen...

Musik, Grafik, Atmosphäre
Wer bislang nicht mit Jazzpunk in Berührung kam, dem sollte mein Review zum Hauptspiel einen Überblick verschaffen. Da das DLC-Kapitel in seiner Präsentation kaum vom dort besprochenen Spiel abweicht, möchte ich darüber nun keine großen Worte mehr verlieren. So dominiert auch weiterhin die fröhlich-naive Farbgebung das Geschehen, bildet aber zugleich einen stimmungsvollen Kontrast zur nächtlichen Kulisse. Der charmante, comicartige Stil vermischt den Flair der 70er Jahre mit Elementen des Film Noir. Menschliche Figuren zeugen nach wie vor von lebkuchenförmiger Gestalt, wobei Frisuren, Gesichter und Garderobe deutlich ausgearbeitet wurden und den modischen Zeitaspekt ideal unterstreichen. Ebenso erweckt die Sprachausgabe wieder einen urkomischen Eindruck - sei es das Bartgemurmel eines feinen alten Herrn oder das mit angekratzer Stimme vorgetragene Geschwätz der spöttischen Kassiererin. Atmosphäre entsteht zudem durch unaufdringliche Entspannungsmusik, die kontinuierlich aus den Lautsprechern tönt, sowie die gelegentlichen Willkommens- und Angebotsdurchsagen einer freundlichen Supermarkt-Mitarbeiterin.

... und freundliches Personal. (Ach was, nein! Der gehässige Blick dieser Damen sagt doch schon alles!)

Jazzpunk: Director's Cut
Ein Blick auf den Director's Cut lohnt sich ungemein: Dieser wartet auch im Hauptspiel mit neuen Gags und Spielerweiterungen (Sidequests, Minispiele) auf und wird im Gegensatz zum DLC als kostenloses Update nachgeliefert. Besonders deutlich lassen sich die Veränderungen anhand der großzügig ausgebauten Chinatown-Umgebung erkennen. Eine vergleichsweise umfangreiche Darknet-Sequenz dürfte dabei vor allem Blade Runner-Freunde erheitern. Außerdem wurde der irrwitzige Hochzeitsshooter "Wedding Qake" um brandneue Level bereichert.

Ebenso lustig wie atmosphärisch: Diese Cyberspace-Sequenz wurde offenbar durch Blade Runner inspiriert.


Fazit
Rewe? Edeka? Aldi? Lidl? Blödsinn! Konsumerfahrene Geheimagenten bevorzugen einen Besuch beim Flavour Nexus. Dort steht uns nämlich zweifellos der abgedrehteste Einkaufsbummel unseres Lebens bevor. Eine tiefgründigere Geschichte sucht man im Jazzpunk-DLC gewiss vergebens, die Lachmuskeln werden hingegen wunderbar trainiert... sofern man denn für den bekloppten wie infantilen Humor der Autoren empfänglich ist. Meine Sehnsucht nach einer offiziellen Fortsetzung, einem "Jazzpunk 2", konnte dieser schöne kleine Bonusinhalt jedenfalls noch verstärken.