Samstag, 18. November 2017

Kommerziell: A.D. 2044

Allgemeine Grundlagen: Was ist "A.D. 2044"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Dogday, Normality
Technische Grundlage: 3D-Umgebung auf Slideshow-Basis (Transitionseffekte)
Urheber: L.K. Avalon
Sprache: Englisch, Polnisch
Jahr: 1996
Download: GOG

In einer Welt ohne Männer muss die Natur schlichtweg umdenken.

Story und Schauplatz
Über viele Dekaden hinweg breitete sich eine unberechenbare Seuche auf unserem Planeten aus. Gewiss leugneten gestandene Männer mitunter die drohende Gefahr, andere sahen schon früh ihren Einfluss schwinden. Die Rede ist vom Feminismus - jenem Kampf um die sogenannte weibliche Empanzipation, nicht zu Unrecht häufig als Versuch einer Machtergreifung durch das schwache Geschlecht verstanden. In diesem visionären Abenteuer erfahren wir nämlich, dass die moderne Frau sogar einen nuklearen Krieg bestreiten würde, um ihre anatomisch ungleichen Ebenbilder endgültig aus dem ehrwürdigen Paradies zu vertreiben. Obwohl der Mann anno 2044 bereits als aussterbende Spezies gilt, ist dem herrschsüchtigen Weibsvolk durchaus eine blühende Zukunft vergönnt. Jüngste Errungenschaften der Gentechnik ließen den Mann entbehrlich werden, sodass die künstliche Reproduktion fortan die natürliche Fortpflanzung zu ersetzen vermag. So plagt sich die Dame jener Zeit nicht länger mit albernen Lüsternheiten, sondern besinnt sich vielmehr auf die Treue zum eigenen Geschlecht. Als letzter auf Erden verbliebener Mann obliegt es schließlich unserem Protagonisten, sich aus der Gewalt seiner Herrinnen zu befreien und das Schicksal der menschlichen Rasse neu zu besiegeln. Helfen wir ihm also dabei, das aufständische Wesen der Frau einzudämmen und unsere einst so maskuline Welt abermals mit heroischen Jünglingen zu bevölkern!


Weibliche Wachroboter lassen sich mitunter durch spontane Küsse erweichen.

Puzzles und Gameplay
Die Steuerung könnte den jüngeren Adventures der Spieleschmiede Legend Entertainment nachempfunden sein. Zwar wurde auf den Kompass und die antiquierte Verbauswahl verzichtet, doch weckt das charakteristische Interface-Design durchaus Erinnerungen an jene schönen alten Tage - ein Gefühl, das im Falle von "A.D. 2044" rasch verflogen sein dürfte. Ein grafisches Inventar ziert den unteren Bereich des Monitors und wartet mit unzähligen frei verfügbaren Ablageplätzen auf. Dieser Service entspricht etwa den Vorzügen und Nachteilen einer Damenhandtasche: Kosmetika, der Schlüsselbund oder die Brieftasche können in unterschiedlichen Seitenfächern verstaut werden, aber letztlich schmeißt man in all der Hektik bloß alles zusammen und erschwert sich damit im Endeffekt die Wiederauffindbarkeit ausgewählter Besitztümer. Nicht anders verhält es sich auch mit den über- und untereinander angeordneten Reihen unserer Gepäckablage, die uns wahrhaftig keinen guten Überblick verschaffen. Fundstücke lassen sich in einer praktischen 3D-Ansicht näher begutachten, was häufig zur Kombination zweier Items erforderlich ist. Hieraus ergeben sich leider in erster Linie weitere Umständlichkeiten. Eine Zigarette lässt sich nur anzünden, indem man das Streichholz in die rechts abgebildete Hand des Protagonisten legt und schließlich auf die Nahansicht des Glimmstängels anwendet. Eine noch größere Herausforderung stellt hingegen das Aufstöbern mancher Gegenstände dar, die sich in den entlegensten Ecken eines Zimmers verbergen und uns somit regelmäßige Frustmomente bescheren. Allgemein folgt das Rätseldesign einer mitunter zweifelhaften Logik, teilweise beruht es auf abstrusen Klischees. Vorab sei erwähnt, dass niemals reale Frauen unseren Weg kreuzen. Diese werden nämlich durch dominante Androiden von weiblicher Statur vertreten, welche angeblich geschlechtstypische Schwächen aufweisen. So appellieren wir also an die niederen Instinkte und Bedürfnisse ihrer Art, wenn wir diesen Wachrobotern etwa ein sanftes Küsschen aufdrücken oder sie mit Nagetieren auf Abstand halten.


Immerhin muten die Strahlenschutzanzüge noch männlich an.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Wenngleich mich die Optik des Spiels nur bedingt beeindrucken konnte, entfaltet die dargebotene Welt ihren Reiz. Dieser ist wohl vorwiegend in der hübschen Architektur begründet, welche futuristische mit klassischen Impressionen verbindet. Die meist prunkvoll anmutenden Räume und Flure werden oft von majestätischen Säulen getragen und von historischen Gemälden sowie Skulpturen aus scheinbar weiterhin unvergessenen Epochen der Menschheitsgeschichte geziert. Sobald aber eine jener Blechgestalten von unrühmlich pseudo-femininer Bauart in die Szene tritt, wird uns der hohe Trashgehalt des Spiels unweigerlich bewusst. Ironischerweise sind die mechanischen Geschöpfe in äußerst knappe, aufreizende Uniformen gehüllt, hinter denen sich große Brüste und unnatürliche Proportionen abzeichnen. Manchmal wird ihr glatzköpfiges Haupt zudem von einer Polizeimütze bedeckt, doch niemals lässt sich in diesen Roboterdamen wirklich etwas Menschliches erkennen. Überwiegend ähnelt "A.D. 2044" dem konventionellen Slideshow-Adventure, wobei sich die Autoren durch sogenannte Transitionseffekte einer moderneren 3D-Umgebung annäherten. Bei jedem Perspektivenwechsel dürfen wir also nachverfolgen, wohin die Blicke des Hauptcharakters schweifen, während er sich bewegt oder den Raum inspiziert. Eine allzu finstere Endzeitstimmung vermag auch die musikalische Untermalung der Spielabschnitte nicht zu erzielen, die trotz ihrer utopisch-fremdartigen Klänge stets an einer schnöden Eintönigkeit und wachsender Belanglosigkeit krankt.


Selbst nach einer atomaren Katastrophe streben Frauen noch nach Luxus.

A.D. 2044: Seksmisja
Kleine Hintergrundinformation: Das hier besprochene Machwerk basiert auf dem 1991 erschienenen Atari-Adventure A.D. 2044: Seksmisja, welches wiederum durch einen polnischen Science Fiction-Film (Seksmisja) inspiriert wurde. Beide Vorbilder sind mir bislang unbekannt, weshalb ich dazu nur bloße Fakten liefern kann.


Tja, damals behielt der stolze Ehemann noch die Fäden in der Hand.

Fazit
Begeisterung ist ja bekanntlich schnell entfacht, sofern der Spieler (und somit das potentielle Opfer) ein ausgeprägtes Faible für Ego-Adventures der späten 90er Jahre hegt. Beim vorliegenden Titel dürfte jedoch sämtliche Euphorie in Rekordzeit verklungen sein. "A.D. 2044" repräsentiert ein möchtegern-komisches Science Fiction-Abenteuer, gepaart mit Pixelhunting der dreistesten Sorte und unverhohlenem Sexismus. Während man etwa bei Mystic House noch über die putzige Machart schmunzeln konnte, wäre dieser unsägliche wie bedeutungslose Trash-Beitrag aus dem Hause L.K. Avalon besser schon vor der Jahrtausendwende in ewiger Vergessenheit versunken.

Samstag, 28. Oktober 2017

Kommerziell: Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Mission Supernova, Andromedas Erbe
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: x86-Games
Sprache: Deutsch, Englisch
Jahr: 2017
Download: Steam --- itch.io --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!

Kuwelplops und Sloms – sind sie nicht… äh… niedlich?

Adventure-Treff-Test: Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung

Mitte der 90er Jahre entstanden im nordrhein-westfälischen Siegen zwei minder erfolgreiche 1st-Person-Adventures, die dem damals beliebten Shareware-Prinzip gemäß Verbreitung fanden. Mission Supernova ließ den Spieler in die Rolle des Küchenchefs Horst Hummel schlüpfen, der nach einer Notevakuierung an Bord seines Raumschiffs vergessen wurde und fortan mutterseelenallein das Universum durchstreifen musste. Aus der Perspektive des außerirdischen Privatdetektivs Peter Platon galt es in Andromedas Erbe hingegen, einen Kriminalfall von intergalaktischer Brisanz aufzuklären. Urheber dieser Shareware-Produktionen sind Thomas und Steffen Dingel, welche den jeweils zweiten Teil ihrer Weltraumabenteuer nur gegen eine kostenpflichtige Registrierung preisgaben. Nach der Jahrhundertwende stellten die beiden Siegener, die mittlerweile anderen Hobbys frönten, ihre Werke als Freeware zur Verfügung. Die humorvollen, packenden und atmosphärischen Grafikadventures aus dem Hause Dingel konnten sich vor zwei Dekaden zwar nicht so recht behaupten, in diesen Tagen ist ihnen aber umso mehr Anerkennung vergönnt. Niemand jedoch war seither bestrebt, den charmanten Stil besagter Titel zu imitieren – bis 2016 eine ganz und gar unverhoffte Kickstarter-Aktion ins Leben gerufen wurde. Marcel René Klapschus, Autor diverser Zukunftsromane, liebäugelte mit einem eigenen Retro-Adventure nach Machart von Andromedas Erbe. Space Geekz - Die Knusperflockenverschwörung erhielt die gewünschte Finanzierung und kann nun seit kurzem, sogar zweisprachig, bei itch.io oder Steam erworben werden. Wir haben uns das schräge Science-Fiction-Abenteuer mit dem nostalgischen Flair angesehen und unser Urteil gefällt. ...Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 7. Oktober 2017

Kommerziell: Jazzpunk: Flavour Nexus (DLC)

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Jazzpunk: Flavour Nexus"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Jazzpunk, Normality
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Necrophone Games
Sprache: Englisch
Jahr: 2017
Download: Steam --- Website

Das Flavour Nexus: Tolle Atmosphäre...

Story und Schauplatz
Seit dem vergangenen Abenteuer ist uns bekannt, dass Geheimagent Polyblank keine noch so brisanten Aufgaben scheut. Somit lässt er sich nun kurzerhand zum Einkaufsparadies Flavour Nexus beordern, um dort den neuen Anweisungen seines Vorgesetzten zu lauschen: Er muss eine Dose mit feinstem Riechsalz beschaffen. Hierzu sollte der begnadete Ermittler aber zum entsprechenden Warenregal vordringen und dabei dem herrlichen Glanz sämtlicher konsumierbarer Objekte widerstehen können. Werden die kapitalistischen Machenschaften im Kern der Flavour Nexus-Filiale Polyblanks Verstand benebeln und die Vollendung seiner Mission verhindern? Ein schwieriges Unterfangen erwartet den geübten Adventure-Spieler mitnichten, doch eines scheint sicher: Nach dieser selten skurrilen Mini-Episode aus dem Jazzpunk-Universum werden wir Supermärkte fortan mit anderen Augen betrachten. Bei "Jazzpunk: Flavour Nexus" handelt es sich um den ersten DLC zum durchgeknallten Adventure, der als Bonus-Feature zum Director's Cut erschienen ist und grundsätzlich nicht ohne das "Hauptspiel" erworben werden sollte.

... rücksichtsvolle Kunden...

Puzzles und Gameplay
Es mutet zunächst wie ein schlechter Scherz an, dass die neue Zusatz-Mission nach insgesamt zwei Aktionen und einer abschließenden Arcarde-Sequenz überstanden ist. Der Reiz dieses Spiels, das sich besser wohl als "Spielerei" bezeichnen ließe, offenbart sich jedoch in all den schrägen Überraschungen, die uns beim gemütlichen Tändeln durch die Warenhalle begegnen. In jedem einzelnen Regalabschnitt lädt eines der jeweils identischen Produkte zum Anfassen ein, was daraufhin stets in Albernheiten ausartet. So reißt Polyblank die Verpackungen auf, ergötzt sich schnell mal an den Köstlichkeiten und beschert den Reinigungskräften zusätzliche Arbeit. Im Flavour Nexus dürfen wir nach Belieben Einkaufswagen umschmeißen und Salatköpfe durch Basketballkörbe bugsieren. Wer die im DLC dargebotenen Möglichkeiten optimal ausschöpft, wird am Ende ein beachtliches Chaos hinterlassen und sich besonders häufig vor Lachen gekrümmt haben. Ob Fleischtheke oder Tiefkühlregal: Stupide, aber liebenswürdig inszenierte Gags lauern in allen Ecken des realitätsfernen Supermarkts. Auch der ähnlich weitläufige Parkplatz sollte mit wachsamem Auge erkundet werden. Optionale Konversationen mit absonderlichen Nebencharakteren sowie simple Side Quests oder Minispiele bereichern das Gameplay und lenken uns geschickt vom eigentlichen Auftrag ab. Lediglich ein finaler Endkampf trübt das Spielerlebnis ein wenig. Dieser kann zwar nur gewonnen werden, erweist sich allerdings rasch als lästiges Übel, das nicht zuletzt an miserabler Handhabung krankt.

... ungewöhnliche Begegnungen...

Musik, Grafik, Atmosphäre
Wer bislang nicht mit Jazzpunk in Berührung kam, dem sollte mein Review zum Hauptspiel einen Überblick verschaffen. Da das DLC-Kapitel in seiner Präsentation kaum vom dort besprochenen Spiel abweicht, möchte ich darüber nun keine großen Worte mehr verlieren. So dominiert auch weiterhin die fröhlich-naive Farbgebung das Geschehen, bildet aber zugleich einen stimmungsvollen Kontrast zur nächtlichen Kulisse. Der charmante, comicartige Stil vermischt den Flair der 70er Jahre mit Elementen des Film Noir. Menschliche Figuren zeugen nach wie vor von lebkuchenförmiger Gestalt, wobei Frisuren, Gesichter und Garderobe deutlich ausgearbeitet wurden und den modischen Zeitaspekt ideal unterstreichen. Ebenso erweckt die Sprachausgabe wieder einen urkomischen Eindruck - sei es das Bartgemurmel eines feinen alten Herrn oder das mit angekratzer Stimme vorgetragene Geschwätz der spöttischen Kassiererin. Atmosphäre entsteht zudem durch unaufdringliche Entspannungsmusik, die kontinuierlich aus den Lautsprechern tönt, sowie die gelegentlichen Willkommens- und Angebotsdurchsagen einer freundlichen Supermarkt-Mitarbeiterin.

... und freundliches Personal. (Ach was, nein! Der gehässige Blick dieser Damen sagt doch schon alles!)

Jazzpunk: Director's Cut
Ein Blick auf den Director's Cut lohnt sich ungemein: Dieser wartet auch im Hauptspiel mit neuen Gags und Spielerweiterungen (Sidequests, Minispiele) auf und wird im Gegensatz zum DLC als kostenloses Update nachgeliefert. Besonders deutlich lassen sich die Veränderungen anhand der großzügig ausgebauten Chinatown-Umgebung erkennen. Eine vergleichsweise umfangreiche Darknet-Sequenz dürfte dabei vor allem Blade Runner-Freunde erheitern. Außerdem wurde der irrwitzige Hochzeitsshooter "Wedding Qake" um brandneue Level bereichert.

Ebenso lustig wie atmosphärisch: Diese Cyberspace-Sequenz wurde offenbar durch Blade Runner inspiriert.


Fazit
Rewe? Edeka? Aldi? Lidl? Blödsinn! Konsumerfahrene Geheimagenten bevorzugen einen Besuch beim Flavour Nexus. Dort steht uns nämlich zweifellos der abgedrehteste Einkaufsbummel unseres Lebens bevor. Eine tiefgründigere Geschichte sucht man im Jazzpunk-DLC gewiss vergebens, die Lachmuskeln werden hingegen wunderbar trainiert... sofern man denn für den bekloppten wie infantilen Humor der Autoren empfänglich ist. Meine Sehnsucht nach einer offiziellen Fortsetzung, einem "Jazzpunk 2", konnte dieser schöne kleine Bonusinhalt jedenfalls noch verstärken.

Samstag, 30. September 2017

Kommerziell: Another Lost Phone: Laura's Story

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Another Lost Phone: Laura's Story"?
Genre: Exploration, Recherche, Interactive Storytelling
Technische Grundlage: Smartphone-Simulation ohne charakteristische Egoperspektive
Urheber: Accidental Queens
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, u.a.
Jahr: 2017
Download: Steam --- itch.io --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!


Gesichter aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: Werden wir Lauras Schicksal enthüllen können?

Adventure-Treff-Test: Another Lost Phone: Laura's Story
Im Januar dieses Jahres ist uns A Normal Lost Phone, das kommerzielle Debüt der französischen Entwicklerfirma Accidental Queens, bereits sehr positiv aufgefallen. Das experimentelle Adventure befasste sich mit dem achtzehnjährigen Sam und seiner Suche nach der eigenen sexuellen Identität. Nun präsentierten uns die eifrigen Produzenten den spirituellen Nachfolger, welcher den nicht minder geheimnisvollen Titel Another Lost Phone: Laura‘s Story trägt und somit eine vom Original unabhängige Geschichte erzählt. Die Spieler müssen also keine Vorkenntnisse besitzen und können sich in beliebiger Reihenfolge an die Werke der Accidental Queens herantasten. Wir haben uns deren jüngsten Streich zu Gemüte geführt und unser Urteil gefällt. ...Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 23. September 2017

C64-Klassiker: Stümp

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Stümp"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Heroes & Cowards, Das Camp - Wohnwagen Edition
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Byteriders
Sprache: Deutsch
Jahr: 1990
Informationen: C64-Wiki

Da möchte man doch glatt den nächsten Urlaub buchen.

Story und Schauplatz
Die Staatlich überprüfende Stelle für Medienproblematiken, allgemein auch StüMP genannt, ist das einzige Gebäude, das im abgelegenen Örtchen Kalkhausen sein Dasein fristet. Eine unwichtige Aufgabe erfüllt es dort mitnichten, so bewahrt es immerhin junge Leute vor der Verrohung durch den Einfluss gewalttätiger oder gar pornografischer Videospiele. Eines Tages aber dringen außerirdische Besucher in die Zensurbehörde ein, um einen Vorrat illegaler Disketten zu entwenden. Zwar konnten die etwas tollpatschigen Vertreter der Luftwaffe das verdächtige Raumschiff orten und vom Himmel fegen, doch wurde das Diebesgut zuvor bereits in Ländern verschiedener Kontinente verstreut. Damit beginnt die Mission des ehrgeizigen Geheimagenten Hans Klein, der den Decknamen "Cool, der Loser" trägt. Dieser muss das jugendgefährdende Material umgehend aufspüren und konfiszieren. So schlüpfen wir in die Rolle des besagten Berufsstümpers und dürfen fortan Schauplätze wie Hawaii, Rom, München, Sydney, Osaka, Moskau, Kobenhaven oder die Osterinseln bereisen.


Die Angst ist unser größter Feind, lässt sich jedoch ins Inventar aufnehmen.


Puzzles und Gameplay
Letztlich bleibt unserem Titelhelden keine Zeit für ausgiebige Sightseeing-Touren, sodass eine Stadt in der Regel bloß mit zwei oder drei Szenenbildern aufwartet. Die relevanten Treffpunkte werden mit der weltweit verkehrenden R-Bahn automatisch angefahren. Somit entpuppt sich das Reise-Terminal an den Bahnhöfen als Pendant zum Flughafen aus dem Lucas Arts-Klassiker "Zak McKracken". Darüber hinaus verfügt das Adventure über einen komfortablen Parser, der keine nennenswerten Schwierigkeiten verursacht. Rasch erlangen wir Übung in der Texteingabe, indem wir etwa auffällige Hecken inspizieren und hierbei interessante Fundstücke zutage fördern. Woanders müssen wir das Vertrauen einer Kontaktperson gewinnen oder an einem Nahrungsmittelautomaten die richtigen Knöpfe betätigen. Das teils simple und mitunter knifflige Rätseldesign zeugt stets von den verrückten Ideen der Byteriders, die im deutschsprachigen Raum wohl unlängt als Ikonen des komischen Textadventures gelten. Da wird man ihnen heute vielleicht selbst jene ungerecht eingeflochtenen Todesarten verzeihen, die uns bei "Stümp" zumindest in seltenen Situationen widerfahren können. So betrachten wir ahnungslos eine bezaubernde Landschaft, woraufhin sich Cool zu einer außerplanmäßigen, vom Spieler nicht angeordneten Wanderung veranlasst fühlt und bei dieser Gelegenheit in einen tiefen Abgrund stürzt. "Save early, save often!"


Textfehler? Im Reise-Terminal ist "Kobenhaven" angegeben, das sich in dieser Szenenbeschreibung zu Kopenhagen wandelt.


Musik, Grafik, Atmosphäre
"Stümp" beeindruckt mit überaus ansprechenden Szenenbildern, die mit satten Farbtönen und einer gesunden Detaildichte durchaus Abenteuer- und Urlaubsstimmung vermitteln könnten. Letztere wird allerdings rasch wieder ausgebremst, da sich die Perspektiven stets auf ein sparsames Mindestmaß beschränken. Die Begrenztheit der Schauplätze erleichtert zwar unsere Mission, vermag jedoch ebenso den Spielspaß zu trüben. Wer also die Umgebung eines Landes erkunden möchte, wird in jedem Fall eine herbe Enttäuschung erleben. Vielmehr fokussieren sich die Entwickler auf die lustigen Texte und Kommentare und schaffen es auf diese Weise, ihre Stärken zu entfalten. Der Atmosphäre sind auch die herrlich nostalgischen Musikstücke zuträglich, welche dem Spionage-Adventure einen teils lässigen, teils pathetischen Beat bescheren und dabei keine Abwechslung vermissen lassen.


Der große Showdown erwartet uns auf den Osterinseln.

Fazit
Während das hierzulande erschienene 3rd person-Adventure Dirty um 1991 etwa "Maniac Mansion" nacheiferte, lässt sich "Stümp" beinahe als deutschsprachiges "Zak McKracken" beschreiben - natürlich in abgespeckter Gestalt, doch mit dem eigensinnigen Humor der Byteriders gesegnet. Leider hinterlässt der abrupte, lieblos anmutende Spielausgang einen äußerst faden Nachgeschmack, weshalb das Potential nicht im erhofften Sinne ausgeschöpft wurde. Nichtsdestotrotz waren hier gewiss keine "Stümper" am Werk, wie sich schon anhand der pointierten Schilderungen bemerkbar macht.

Samstag, 16. September 2017

C64-Klassiker: Robox

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Robox"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Der verlassene Planet, Frederik Pohl's Gateway
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Laro Schatzer und Marc Pilloud
Sprache: Deutsch
Jahr: 1986
Informationen: C64-Wiki


Man bemerke die eigensinnige Farbgebung der Küchenschränke.

Story und Schauplatz
Der gewöhnliche Erdenbürger des Jahres 2036 träumt mitunter davon, eines Tages zu den Sternen zu reisen, wird jedoch stets von der Realität eingeholt. Ein größeres Glück scheint hingegen unserem Titelhelden beschieden zu sein. Dieser kann beim sonntäglichen Fernsehquiz den allseits begehrten Hauptpreis ergattern, welcher ihn binnen kurzem auf einen paradiesischen Urlaubsplaneten entführen soll. Unterwegs wird er aber bald erkennen, dass ihm eine wesentlich bedeutsamere Rolle zugedacht war, als die eines nichtsnutzigen Weltraumtouristen. So liegt es nämlich in seiner Hand, sämtliches Leben im Universum vor den Roboter-Armeen des tyrannischen Herrschers Robox zu bewahren, jenem halbmenschlichen, seelenlosen Cyborg-Wesen, der jedes biologische Individuum mit Verachtung straft. Bevor dieser alles Organische ausrotten kann, muss unser ehemals gewöhnlicher Erdenbürger zur fernab gelegenen Zentrale des verbitterten Feindes vordringen und dessen diabolischen Plan vereiteln.

Die Mannschaftsquartiere versprechen einen erholsamen Schlaf, doch an Entspannung ist fortan nicht zu denken.

Puzzles und Gameplay
"Robox" wird über einen recht intelligenten Parser gesteuert, der keineswegs mit Komfort geizt. So ist etwa der Befehl "NIMM ALLES" anzuwenden, um eine Vielzahl jüngst vorgefundener Items mühelos unserem Inventar zuzufügen. Geknobelt wird bei "Robox" auf hohem Niveau, sodass sich erfahrene Spieler nicht so leicht unterfordert fühlen dürften. Außerdem appellieren die Produzenten an unseren Überlebensinstinkt, denn das drohende Unheil ist allgegenwärtig. Der Tod lauert hinter jeder Ecke, weshalb wir häufig abspeichern sollten. Im Verlauf unserer spannenden Odyssee treffen wir zudem auf den liebenswürdigen Blechkasten Robbi, der äußerlich stark an R2D2 erinnert. Unserem treuen Begleiter können wir bei Bedarf, sofern dieser in unserer Nähe verweilt, wertvolle Ratschläge entlocken ("FRAG ROBBI"). Damit wurde sogar eine großzügige Hilfefunktion integriert. Insgesamt erstreckt sich das Abenteuer auf vier umfassende, aber äußerst kurzweilige Kapitel.

Mit dem "Schatten" sollten wir uns besser nicht anlegen.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Mit unzähligen, stets detailverliebten Szenenbildern haben die Autoren ein überaus fantasievolles Spieluniversum geschaffen, das mit höchst unterschiedlichen Schauplätzen und manch exotischen Kreaturen aufwartet. Auch in der Gestaltung jener Geschöpfe sowie im menschlichen Charakter-Design zeigt sich die hohe Qualität dieser Zeichnungen, denen eine gut sortierte Farbpalette zugrunde lag. Auf musikalische Ergüsse, die zusätzliche Stimmung vermitteln, hoffen wir allerdings vergeblich. Sobald das von "Kampfstern Galactica" abgekupferte Titelstück verstummt, hüllt sich unser Lautsprecher in konsequentes Schweigen.

Man kann es ja mal versuchen.

Fazit
Hinter "Robox" verbirgt sich ein umfangreicher wie anspruchsvoller Science Fiction-Titel, der kaum nennenswerte Schwächen aufweist und die Standards eines ausgefeilten Textadventures wunderbar erfüllt.

Samstag, 26. August 2017

C64-Klassiker: Der verlassene Planet

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Der verlassene Planet"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Oo-Topos, Mission Supernova
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Hannes Seifert
Sprache: Deutsch
Jahr: 1989
Informationen: C64-Wiki

Bei Betrachtung des Titelscreens drängt sich mir irgendwie die Erinnerung an "Mission Supernova" auf.

Story und Schauplatz
Als unser Protagonist nach rund zweitausend Jahren seinem Dornröschenschlaf entrissen wird, ist sein Raumschiff wieder in die irdische Umlaufbahn eingedrungen. Im Hinterkopf des ehrgeizigen Astronauten lagern jedoch noch staubige Erinnerungen an eine ehemals geplante Forschungsmission zu einem fernen Sonnensystem, das binnen einer einfachen Dekade(!) zu erreichen wäre. Eine Fehlprogrammierung des Bordcomputers, dem die Verantwortung für den Weckdienst oblag, entpuppt sich bald als Ursprung des Desasters. So beschließt der Erwachte, in seiner immens gealterten Heimatwelt unter wildfremden Nachkommen Geborgenheit zu suchen. Dort sieht er sich aber rasch vor äußerst konsequent vollendete Tatsachen gestellt und so dämmert ihm allmählich. Es scheint nämlich, als hätte die Menschheit zuletzt recht tüchtig an ihrem Untergang gearbeitet. Ist jener tragische Held, der sich nun vor verwüsteten Landschaften im eigenen Leide suhlt, gar der letzte Vertreter seiner Spezies? Nach einigen Minuten kehrt die verloren geglaubte Hoffnung schließlich in Gestalt des unerwartet auftauchenden Meknos zurück, der sich zu einer Gruppe Überlebender zählt. Dieser bietet dem Neuankömmling sogleich seine Freundschaft an und begleitet ihn fortan auf einer gefährlichen Odyssee durch unbewohnte Regionen eines (beinahe) verlassenen Planeten.


Beim Marsch durch die Wüste ist Vorsicht geboten, denn auch Adventure-Figuren können dehydrieren.

Puzzles und Gameplay
Untergliedert ist das Abenteuer in vier mehr oder minder umfangreiche Kapitel bzw. Level, in deren Verlauf wir uns stets um eine Höchstpunktzahl und einen guten Platz in der Highscore bemühen dürfen - ein Feature, welches gemeinhin eher den Arcarde-Titeln vorbehalten bleibt. Als Textadventure kann "Der verlassene Planet" überzeugen, weist im Spieldesign aber einige Schwächen auf. Manchmal krankt eine Szenenbeschreibung an nützlichen Informationen und verschweigt uns etwa relevante Gegenstände im Raum. Der Parser folgt mitunter willkürlichen Gesetzen, verfügt jedoch über ein recht solides Vokabular. Zur visuellen Darstellung möglicher Ausgänge dient ein Kompass, der sich jederzeit mit Druck auf die Taste F1 einblenden lässt. Wer den Buchstaben "H" eintippt und mit Enter bestätigt, wird sogar mit subtilen Lösungshinweisen beliefert. Alternativ können Gespräche (SPRICH/ FRAG) mit Gefährten Licht ins Dunkel bringen. Hierbei ist neben Meknos auch Dr. Herman Sambs zu erwähnen, der sich unserem Zweiergespann im zweiten Level anschließen wird. Vor drohendem Unheil wird zumeist gewarnt, sodass wir den zahlreichen Todesfallen durchaus ausweichen und vorbeugen können. Bei einer Verfolgungsjagd im ersten Abschnitt empfiehlt es sich ohnehin, regelmäßig den Spielstand zu speichern. Wer die Kunst des Überlebens beherrscht, vermag sich in dieser postatomaren Welt zweifelsohne zu behaupten. Nur selten müssen hingegen Items ins Inventar aufgenommen oder allzu schwierige Aufgaben bewältigt werden. Diverse Rätsel neigen zudem zur Wiederholung. Somit bewegt sich "Der verlassene Planet" insgesamt auf Anfänger-Niveau.


Ein ungleiches Paar: Meknos und Herman.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Die naiv gezeichneten Szenenbilder fügen sich erstaunlich gut in die Geschichte ein, wenngleich einzig das Spiel mit der einseitigen Kolorierung eine düster befremdliche Atmosphäre schafft. Über weite Strecken hinweg wird die Umgebung etwa von giftgrüner Farbe oder satten Purpurtönen dominiert. Begleitet wird das Geschehen von temporeichen Musikstücken mit futuristischem Flair, wobei jedes Level mit einer eigenen charmanten wie eingängigen Komposition aufwartet. Wer kein Faible für leicht schrille Brotkastenklänge hegt, wird sich von diesem Soundtrack wohl dennoch abschrecken lassen. Die Entstehung einer wirklich beklemmenden Endzeitstimmung wissen die humorvollen Bildschirmtexte aber stets zu verhindern. So wird die Schilderung jener Zukunftsvision vielmehr durch Zynismus vorangetrieben und tragische Wendungen größtenteils vermieden. Auch werden wir immerfort über das seelische Befinden unserer Gefährten instruiert, womit uns der Autor manches Lächeln entlocken kann.


Ein gewisser Komfort ist unabdingbar: Ohne integrierte Badewanne sollte sich kein Raumschiff jemals zu den Sternen erheben.

Fazit
Obwohl es dem atmosphärischen Werk von Hannes Seifert im Rätseldesign an Abwechslung mangelt, entfaltet sich bei mittlerer Spiellänge doch eine überaus kurzweilige Geschichte, an der sich Freunde selbstironischer Science Fiction-Abenteuer ergötzen können.